PDA

Vollständige Version anzeigen : Reisen in Europa: Neu: Die schönsten Jogging-Strecken in 10 europ. Städten


Eliska
09.03.2003, 10:14
Die Entdeckung der Leichtigkeit

Nicht rasen - rasten. Connaisseurs flüchten bei Bollène von der A 7 und lassen sich von der Provence verführen

VON KARIN OEHMIGEN

Das Tal der Abtei von Sénanque ist kaum breiter als eine Schlucht. Der metallische Gesang der Zikaden hallt zwischen den schroffen Felsen wider. Kiefern und Steineichen krallen sich an den steilen Hängen fest, und ein warmer Wind trägt den herben Duft von wildem Thymian über die verkarsteten Anhöhen. Das Zisterzienserkloster ruht am Ende des Tals in der flirrenden Mittagshitze. Nur noch wenige Tage, dann erhebt sich der strenge, romanische Bau wie eine Arche aus einem blauvioletten Meer. Die Luft wird erfüllt sein vom süssen Parfüm der Lavendelblüten, vom Brummen und Sirren der Insekten.

In dieser Landschaft liegt ein Zauber, dem man «ein Leben lang» verfällt, schrieb der Dichter Marcel Pagnol über seine innige Liaison mit der Provence. Er kannte sie als ungezähmte Wildnis, ohne Schnellstrassen und Touristenbusse. Doch das Glücksgefühl, das er beim Anblick der bläulichen Felsen, der immergrünen Garrigue empfand, überkommt den Reisenden noch heute, kaum hat er die Autoroute du Soleil verlassen.

Der Weg ist das Ziel, ein zur Floskel verkommener Wahlspruch für Geniesser, erhält im Schatten einer provenzalischen Platanen-Allee neuen Sinn.

Connaisseurs verlassen die Autobahn nicht erst bei Orange, dem offiziellen «Tor zur Provence» - sie zweigen bei Bollène rechts ab und bummeln über Land nach St. Victor des Oules, einem stillen Weiler nahe dem Städtchen Uzès.
Die wenigen Häuser gruppieren sich um ein kleines Château, das die Schweizer Gina Codoni und Michael Rüegg in ein Gästehaus verwandelt haben. Die sechs grosszügigen Zimmer sind mit Geschmack und Passion eingerichtet, keines gleicht dem andern. Die Atmosphäre ist familiär und entspannt. Mondän ist die Provence anderswo.
Noch ist das Château St. Victor in keinem der einschlägigen Führer erwähnt, weder im «Guide Michelin» noch im «Guide de Charme». Doch ein Geheimtipp wird es nicht mehr lange bleiben. Viele Gäste sind bereits Habitués, ihre Mundpropaganda zeigt Folgen, und sechs Zimmer sind schnell ausgebucht.

Bollène lässt sich von der Schweiz aus in sechs Autostunden erreichen. Wer früh am Morgen gestartet ist, kommt gerade recht, um seinen Ferienbeginn auf einer schattigen Terrasse einzuläuten, mit allem, was das Vallée du Rhône zu bieten hat. Nur zehn Minuten von der A 7 entfernt liegt im «Pays de la Truffe» die Ortschaft Mondragon. Guy Julien, Herr des Feuers im Restaurant La Beaugravière, weiss das Aroma der schwarzen provenzalischen Knolle einzufangen und in seiner Küche zur Entfaltung zu bringen. Hochzeit des unterirdischen Pilzes ist zwar von Januar bis März, doch auch der hellere Sommertrüffel reizt die Kreativität des Kochs, ebenso wie Eierschwamm und Steinpilz aus den umliegenden Wäldern.

Ein gutes Zeichen: Die besten Winzer der Region kehren im La Beaugravière ein, was Julien nie zu Kopf gestiegen ist. Preis und Leistung stimmen. Also gönnt man sich zum Abschluss noch ein Gläschen Muscadet aus den Weinbergen von Beaumes-de-Venise. Schliesslich bietet die Landschaft genügend Platanen, Linden und Olivenbäume, in deren Schatten man ein Nickerchen halten und den Grillen lauschen kann.


dfipüsfiasdfasf ssdfjaskfaslfj

Die Landschaft um Uzès ist sanft hügelig und geradezu lieblich, verglichen mit den Pässen und Schluchten des Vaucluse- und Luberon-Gebirges auf der anderen Seite der A 7. Gründe, ein paar Tage zu verweilen, bieten beide Regionen zur Genüge. Selbst Wasserratten, die schon sehnsüchtig nach dem Meer blinzeln, kommen zum Zug.
Die Gard, ein klares, fischreiches Flüsschen, ist ideal für einen Badetag, obwohl es bei Remoulin Unmengen von Besuchern lockt. Dort nämlich ist eines der berühmtesten Monumente Europas zu besichtigen, der Pont du Gard, Teilstück jenes Viadukts, das schon in vorchristlicher Zeit die schnell wachsende Metropole Nîmes mit Trinkwasser versorgte.

Zum Glück ist der Tourist weltweit gleich gestrickt: immer in Zeitnot und zu träge, ein paar Schritte vom Parkplatz in die Landschaft zu laufen. Kaum ist man den schmalen, stolperfreundlichen Uferwegen ein Stück gefolgt, hat man die Massen abgehängt, findet sich unter anderen Musse Suchenden an einem Badeplatz wieder. Auf glattem Fels kann man sich in der Sonne aalen, den erhitzten Leib im Wasser kühlen und gemütlich seinen Picknickkorb plündern.

Die Provence, Frankreichs beliebteste Ferienregion, hat sich vielerorts ihre Idylle bewahrt, verharrt ist sie darin nicht. Auch gastronomisch ist sie lebendig geblieben, was für den Genussreisenden nicht ohne Bedeutung ist.
Während Paris, in Panik, seine Esskultur zu verlieren, der klassischen Butter-Rahm-Küche erneut und übertrieben frönt, geniesst man im Süden mediterrane Leichtigkeit.
Junge Köche geben der Region wieder neue Impulse, doch um sie zu finden und sich einen Tisch zu sichern, sollte man auf einen guten Restaurantführer nicht verzichten.

Das L''Olivier im eher unscheinbaren Dörfchen Serviers war ein Tipp von Gina Codoni und darf mit gutem Gewissen weiterempfohlen werden. In einem romantisch bewachsenen Hinterhof mit nur sechs Tischen bringt Küchenchef Dominichini schnörkellos auf den Tisch, was die Märkte der Region zu bieten haben. Sein ausgeprägtes Showtalent - er würde das Menü auch vorsingen, wenn man ihn darum bäte - tut seiner Küche keinen Abbruch und treibt auch den Preis nicht in die Höhe. Ein einfallsreiches Fünf-Gang-Diner kostete lediglich 30 Euro; das muss man in der Schweiz erst einmal finden.

Die Provence macht aber nicht nur Appetit auf kulinarische Genüsse.
Kaum hat man die sanfte Landschaft um Uzès erkundet, zieht es den Reisenden in das wildere Luberon-Gebirge. Zumindest den kleinen Luberon kann man von St. Victor des Oules problemlos erreichen.
In eineinhalb Stunden trinkt man seinen Pastis bereits in Venasque, einem der idyllischsten Dörfer im Departement Vaucluse. Fernab der breiten Zufahrtsrouten hat es sich auf einem Sockel aus Fels verschanzt - die Häuser dicht gedrängt, als wären sie ein einziger Bau. Ein paar wenige Gasthäuser bieten dem Fremden Logis wie die Auberge de la Fontaine direkt am Dorfplatz. Hinter der schlichten Fassade verbirgt sich ein Gästehaus mit fünf hübschen Suiten, seit Jahren vom deutschen Ehepaar Soehlke geführt, und ein sympathisches Bistro mit Blick auf den Brunnen, der dem Haus seinen Namen gegeben hat.

Venasque ist ein idealer Ausgangspunkt für Touren in die Umgebung.
Die Abtei von Sénanque liegt nur etwa 12 Kilometer entfernt, am Ende einer romantischen Fahrt duch den Fôret de Venasque.
Zwei Kilometer weiter ist es bis zum abseits gelegenen Dörfchen Murs, das Ruhe und Erholung bietet, bevor man sich nach Roussillon mit seinen berühmten Ockerbrüchen hinunterwagt oder ins mondäne Gordes mit dem Freilichtmuseum «Village des Bories», einer Ansammlung runder, bäuerlicher Behausungen mit mörtellos geschichteten Feldsteinen aus dem späten Mittelalter.

Gordes bietet weitum das beste Angebot an Unterkünften, von den einfachen Chambres d''hôtes bis zum kleinen, eleganten Luxushotel. Im Hochsommer ist es unerträglich touristisch, sofern man sich im Car durch die Gassen quälen, für die Stippvisite einen Parkplatz suchen oder in einem der überfüllten Lokale rund um den Dorfplatz verpflegen muss.

Doch wer die Kunst beherrscht, unter all den Touristen kein solcher zu sein, sich gemütlich einquartiert und verweilt, Hektik und Lärm den Rücken kehrt, wird den Süden Frankreichs so lieben wie die Dichter und Maler von einst.
Gib jedem Tag die Chance, der schönste deines Lebens zu sein, hat mal irgend ein Aphoristiker geschrieben. Wahrscheinlich war er kurz zuvor in der Provence.



So leicht kommen Sie in die Provence

(1) Château St-Victor des Oules (Ausfahrt Bollène, Richtung Pont-St-Esprit, Bagnols-sur-Cèze, Nîmes [N 86]. Nach ca. 12 km rechts abbiegen gegen Uzès, nach dem Dorf St-Hippolyte rechts, in St-Victor Wegweiser Mairie folgen). Die Zimmer kosten inklusive Frühstück zwischen 110 und 170 Euro, Table d''Hôtes während des Sommers. Tel 0033 (0)4 66 03 40 90, Fax 0033 (0)4 66 03 40 89
E-Mail: chateau.saintvictor@wanadoo.fr

( 2) Vieux Castillon in Castillon-du-Gard: Kleines, elegantes Relais & Château-Hotel mit ausgezeichnetem Restaurant (1 Michelin-Stern), 33 Zimmer, ab 155 Euro. Tel 0033 (0)4 66 37 61 61, Fax 0033 (0)4 66 37 28 17 oder E-Mail:vieuxcastillon@relaischateaux.com

( 3) Restaurant L''Olivier in Serviers (bei Uzès): Kleiner Innenhof, leichte mediterrane Küche. Tel 0033 (0)4 66 22 56 01

( 4) Restaurant La Beaugravière in Mondragon (bei Bollène): Bester Trüffelkoch weit und breit. Tel 0033 (0)4 90 40 82 54

(5) Auberge de la Fontaine in Venasque: Gästehaus mit Charme, 5 Suiten à 122 Euro (ohne Frühstück), Restaurant im Haus. Tel 0033 (0)4 90 66 02 96

( 6) Hôtel La Gacholle in Gordes: Ruhig gelegenes Hôtel de Charme, 11 Zimmer à 75 bis 125 Euro, Frühstück 11 Euro, gutes Restaurant im Haus. Tel 0033 (0)4 90 72 01 36, E-Mail: la.gacholle.gordes@wanadoo.fr

( 7) Le Mas du Loriot in Murs: Kleines Charme-Hotel, 20 Zimmer (85 bis 115 Euro), Frühstück 11 Euro, Restaurant nur für Hausgäste an drei Tagen pro Woche. Tel 0033 (0)4, 90 72 62 62

( 8) Abbaye de Sénanque, nahe Gordes'', Anfahrt über die Route de Venasque. Geöffnet Mo-Fr 10-12 und 14-18 Uhr


Sonntagszeitung.CH

EMMA
09.03.2003, 13:19
schööööön :)

das macht mir richtig Lust auf Frankreichurlaub. :)

Wo es auch sehr schön ist: Die Bretagne. Schroffe herbe Schönheit im Wechsel mit üppigen Wäldern und saftigen Wiesen und wunderschönen Buchten.

Und zudem ideal für Hundebesitzer, die ihren Wauzer mitnehmen möchten.

EMMA

Eliska
09.03.2003, 17:42
http://www.volker-behnke.com/Senanque.jpg

Die Abtei Senanque

Abseits der Hauptverkehrsstrassen liegt in einem malerischen Tal inmitten wogender Lavendelfelder die Abtei Senanque. Die Zisterziensermönche gründeten diesen Ort der Stille bereits im Jahre 1148. Seitdem wechselte das Schicksal dieser Abtei immer wieder, vom reichen Kloster bis zum verlassenen Ort.

Seit einigen Jahren leben wieder Mönche in der Abtei. Einige Räume, wie Dormitorium oder Kapitelsaal sind nur zur Besichtigung vorgesehen, andere, wie das Refektorium werden noch heute genutzt und können daher nicht besichtigt werden. Die ganze Abtei besticht durch ihre schlichte Einfachheit und hat sich mittlerweile fast zu einem Wahrzeichen der Provence entwickelt.

Ein Besuch lohnt besonders im Juni - Juli, zur Zeit der Lavendelblüte.

http://www.volker-behnke.com/Sehenswertes/Die_Abtei_Senanque/die_abtei_senanque.html

wunderschöne Bilder der Abtei.

Perry27
09.03.2003, 18:04
Das ist ja ein schöner Thread Elli. Ich möchte ohne Übertreibung sagen, daß ich die Gegend fast wie meine Westentasche kenne. Wenn um 20 Uhr das Glöckchen von Senanque zum Komplet läutet , fühlt man sich schlagartig ins Jahr 1200 a.d. versetzt.

Perry :)

Eliska
09.03.2003, 18:27
EMMA :) und Perry :)
danke für eure Beiträge. In Frankreich - natürlich nicht nur da!!! :) - gibt es so unendlich viel zu entdecken und genießen. :)

Ich würde mich sehr freuen, wenn in diesem Thread noch viele Beiträge uns die Schönheiten und Sehenswürdigkeiten in Europa nahebrächten.

Lieben Gruß
Eliska:)

lady
13.03.2003, 22:05
Liebe Eliska :)

ich habe mir überlegt, welchen Reisetipp ich für deinen Europa-Reise-Thread beisteuern möchte, und meine Wahl ist auf die südliche Ägäis gefallen:


Vor einigen Jahren waren wir auf den Kykladen (Santorini, Paros und Naxos)... ein Urlaub der besonderen Art ...

... immer ganz nah an den Fersen der Geschichte, die einem dort überall begegnet :)
... man hat das Gefühl, in manchen Ort ist die Zeit ein wenig stehengeblieben ;)
... fast kitschig schöne Orte und Sehenswürdigkeiten :rolleyes:
... herrliche, einsame Strände, von Felsenküste bis Sandstrände, was das Herz begehrt :)
... wir waren dort zu einer Zeit (Mai), bevor die großen Touristenströme die Inseln erreichen ;)
... malerische, kleine Tavernen :)
... leider nicht ganz billig, :rolleyes:
... aber sehr empfehlenswert! :) :) :)


http://www.erlebnis-segeln.de/images/kykladen.gif


... noch ein paar visuelle Impressionen:

Santorini/ Thira ... die große Vulkaninsel:

http://www.infopeople.org/training/past/2002/fireworks/ExerciseImages/Santorini.jpg http://www.clubtours.gr/img/santorini.jpg


Paros ... einfaches und idyllisches Fischerleben:

http://www.greekislands.com/paros/dinner0.jpg http://home.no.net/thomas70/images/naous1.jpg http://www.paros-online.de/images/markstr170a.jpg


Naxos ... die Insel mit den meisten geschichtlichen Sehenswürdigkeiten und besten Wandermöglichkeiten:

http://www.cnn.com/interactive/travel/0001/greece/naxos.ios/1.naxos.main.door.jpg http://www.gioiatours.com/img/foto/album/gre/naxos.jpg http://w1.351.telia.com/~u35106092/Hemsida/Naxos/Iannis_tak.JPG

Eliska
13.03.2003, 22:52
Danke, lady :)
Welch einladende Bilder. :)

Lieben Gruß
Eliska:)

Patrick
14.03.2003, 08:16
Kalimerá,

Lady, da hast Du genau das richtige rausgesucht...

Wir waren letzten Jahr auf Santorini (Juni) und dieses Jahr geht es nach Paros. Wir hatten zwei Wochen strahlend blauen Himmel mit 26-28°C, aber immer einen schönen erfrischenden Wind und nicht einen Tropfen geschwitzt. Die Kykladische Küche ist zwar einfach, aber sehr, sehr schmackhaft...Das ist da so gemütlich, da schmeckt sogar der Griechische Wein... :hihi

jassú
Patricio

PS: weiteres unter http://www.paros.de/

lady
14.03.2003, 14:54
äfchari'sto Patrick :) ,

die Erinnerung an den Kykladen-Urlaub überragt für mich einfach all die anderen - zweifellos auch wunderschönen - Urlaube, und dir gehts da wohl ähnlich ;) .
Auf diesen Inseln hat eine besondere Stimmung geherrscht, die man schlecht beschreiben kann.
Während dieses Urlaubs haben wir einen kurzen Abstecher nach Athen gemacht, um uns dort die markantesten Sehenswürdigkeiten anzusehen, und dabei wurde uns diese besondere Stimmung der Inseln erst richtig bewußt.
Die Kykladen stehen auf unserer inneren Urlaubsliste auf einem festen Platz für die Zeit, wenn wir wieder zu zweit unterwegs sein werden. ;)


Besten Dank auch für deinen Paros-Link, es hat Spaß gemacht darin zu stöbern :)

Auf Paros waren in Naoussa und dort in einem kleinen Hotel (http://www.parosweb.gr/kalypso/), wo man unter Tamarisken unmittelbar am Wasser köstliche Ruhe finden konnte :)

Eliska
16.03.2003, 10:46
http://www.regnskoven.dk/images/stemning22.jpg Mit dem Ranger durch den Regenwald Jütlands

Der künstliche Regenwald „Randers Regnskoven“ in Jütland bekommt eine dritte Kuppel und vergrößert seine Fläche damit von 1200 auf 3200 Quadratmeter. Die neue Anlage soll zu Ostern eröffnet werden und widmet sich dem südamerikanischen Regenwald, teilt das Dänische Fremdenverkehrsamt in Hamburg mit.

Damit können in Randers den Touristen jetzt Regenwälder von drei Kontinenten gezeigt werden – die zwei kleineren Kuppeln, in denen die Temperatur nie unter 25 Grad fällt, sind Afrika und Südostasien gewidmet.

Insgesamt leben in „Randers Regnskoven“ mehr als 400 tropische Pflanzenarten und 150 Tierarten von Krokodilen über Affen bis zu Fledermäusen. Die Erweiterung kostet den Angaben zufolge umgerechnet rund acht Millionen Euro. Im Jahr 2004 soll innerhalb der Kuppeln noch ein künstliches Korallenriff errichtet werden. Auskunft gibt es im Internet unter www.regnskoven.dk dpa

Der Tagesspiegel vom 7. 3. 2003

Eliska
23.03.2003, 10:40
Die Vielgeliebten

An einem schmalen Streifen der Steilküste Liguriens sind fünf Dörfer, die Cinque Terre, in den Fels gebaut. Derartig schön, dass alle mal kommen, gucken, Sardellen futtern und am liebsten dableiben würden.

Von Erdmann Braschos

Die Sonne glitzert auf dem trägen Gewoge des Ligurischen Meeres. Kaum von einer thermischen Brise geschuppt, hält es noch seinen Mittagsschlaf. Links der Gleise eine Ortschaft, rechts etwas Strand. Durchgeschüttelt von einigen Stunden Bahnfahrt verlassen wir den Waggon. Monterosso al Mare. Am Meer, wo sonst könnten wir mit dem Mensch sein beginnen?

Verreisen ist Wahnsinn. Nur daheimbleiben wäre schlimmer. Ab und zu muss der Mensch mal richtig weit weg, Städte, das hügelige Zwiebelturmland und Flüsse queren, in nachtschwarzen Tunneln und dämmrigen Galerien durch Alpen und Apenninen rasen und im nördlichsten der legendär hübschen Cinque Terre, der fünf entlegenen Dörfer Liguriens aussteigen.

Ein Gebirgsbach, der durch den Sand rinnt. Fischerkähne, die Sonne. Akazien, Mimosen, Pinien, eine Palme - prima. Betagtes Gemäuer, eine katholische Kirche. Monterosso al Mare. Gibt es einen geeigneteren Ort, den Mumpitz eines Alltags, den wir uns durchaus anders vorstellen können, hinter uns zu lassen? Eine Albergo findet sich. Wir haben eine wichtige Verabredung. Eine Verabredung mit uns. Wir reden nicht bloß davon, "wie schön es wäre, hier mal zwei Tage zu bleiben." Wir bleiben. Zwei Tage. Warten einfach ab, bis der Kopf, der notorische Nachzügler allzu schneller Auto-, Bahn- oder Flugreisen, eingetroffen ist. Die zwölf Kilometer lange Via Lungomare verbindet die fünf Dörfer der Steilküste: Monterosso, Vernazza, Corniglia, Manarola und Riomaggiore. Der italienische Alpenverein bezeichnet die Route, einen der schönsten Wanderwege der Welt, schlicht als Nummer zwei.

Zu früher Morgenstunde, wo der normale Phlegmatiker noch schlummert, folgen wir dem groben Gemäuer der Stufen durch hüft- bis schulterhohe Weinstöcke. Der Weg ist ziemlich eindeutig, nämlich mit reichlich Farbe in Rot und Weiß markiert. Die Hähne legen sich lärmend ins Zeug, die erste Bahn der Strecke Genua - La Spezia rauscht übers Viadukt und verschwindet im Tunnelschlund.

"Eine felsige, strenge Landschaft, die in ihrer Wildheit an Kalabrien erinnert, Zuflucht für Fischer und Bauern, die sich an ein Fleckchen Strand klammern - bloßgelegter und feierlicher Rahmen für eine der ursprünglichsten Gegenden in ganz Italien ... wenige Dörfer oder Weiler, die sich zwischen Fels und Meer zwängen," fasste der italienische Dichter Eugenio Montale den Reiz der Gegend in den 20er Jahren zusammen. Besonders gut hat er sich mit den Eingeborenen nicht verstanden, doch sind schreibende Menschen dazu da? Außerdem sind die Ligurier stolze, den Fremden eher skeptisch gegenübertretende Leute. Ein bisschen provinziell. Das mögen wir weniger, doch verständlich ist es durchaus. Denn die Provinz ist derart schön, dass alle mal kommen, gucken, Sardellen futtern und am liebsten dableiben würden.

Überhaupt, die Sardellen. Heute gibt es ja überall alles. Sushi in Soho, Pesto in Pellworm oder Scholle in Schlangenbad. Einst waren die Sardellen kleine Fische für kleine Leute. Denn vom Weinbau allein und dem bisschen Landwirtschaft wurden die Einheimischen kaum satt. Im Mai und Juni isst man die kleinen Fische mit dem festen Fleisch frisch mit Ölivenöl und Zitronen, verfeinert mit Oregano, Knoblauch und Petersilie, später mariniert oder gebraten. Wie überall auf der Welt haben abgekochte Marketingstrategen aus der Notlösung für arme Schlucker einen derartigen Kult gemacht, dass man für die klitzekleinen Fische und ein, zwei Fläschchen hiesigen Weines manchen Euro opfern muss. Wer geneigt ist, sich darüber aufzuregen, sollte anders speisen oder zuhause bleiben.

Bis annähernd 800 Meter erhebt sich das Gebirge. Die unzugängliche Steilküste bot einst Schutz vor feindlicher Übernahme, dem barbarischen Zugriff auf Weib und Kind, dem Raub von Hab und Gut. In prekärer Hanglage lebte man isoliert, zunächst vom Weinbau, später kam der Fischfang hinzu. Ein hartes, einfaches Leben. Zwei Kulturen, zwei Welten an einem kurzen, wenige Kilometer messenden Küstenabschnitt. Heute schützt die Lage der Dörfer in engen Tälern und an abschüssigen Hängen vor ganz anderer Barbarei: vor Betonierung, Zersiedlung und der automobilisierten Zerstörung des Idylls - allerorten zu besichtigenden Folgen des Fremdenverkehrs.

Wahrscheinlich erkannten Bauern vor sieben Jahrhunderten den Wert der sonnenverwöhnten, zugleich sicheren Südwesthanglage und verwandelten mit der quadratmeterweisen Rodung von Macchia die Hänge in diese einzigartige Kulturlandschaft. Der Boden auf den engen Rebterrassen musste auf Knien gepflügt werden. Die trocken, ohne Mörtel errichteten Mäuerchen verzögern den Abfluss des Wassers nach heftigen Niederschlägen und verhindern Erdrutsche. Werden die unteren Terrassen besonders abschüssiger Lagen vernachlässigt, kann der gesamte darüberliegende Hang abrutschen. Deshalb darf das Natur-Kunstwerk der Cinque Terre nicht aufgegeben, müssen die sogenannten cian, die Rebterrassen weiter bewirtschaftet werden.

Die regionalen Fördergelder zur Sicherung der cian reichen aber nicht aus. Der Konsument und durstige Wanderer kann helfen, indem er für lokale Weine zahlt, was Winzer für den Cinque Terre Bianco und den typischen Sciacchetrà samt einhergehendem Landschaftsschutz brauchen. Kultur kostet eben. War doch schon immer so! Wird auch im 21. Jahrhundert nicht anders.


Obwohl für den Sciacchetrà strenge Vorschriften gelten, mache man sich angesichts unterschiedlicher Anbaubedingungen auf Überraschungen gefasst. Die Winzer von Monterosso, Riomaggiore, Tramonti di Bassa, Tramonti di Campiglia und Vernazza pflücken ihre Trauben in weit auseinander liegenden, oft gerade mal zimmergroßen Anbauflächen, teils ganz unten am Ligurischen Meer, teils oben am Hang in schwindelnder Höhe. Die ambitionierte Cooperativa Agricultura Cinque Terre bemüht sich um die Fortsetzung von Handwerk und Kultur des tradierten Weinanbaus. Der Saft der raffiniert rosinierten Trauben ist so eigenartig wie der reizvolle Küstenstrich selbst. Als "Wein von aromatischer und komplexer Süße ist er ein Tropfen für Kardinäle und reifere Damen", beschrieb Paolo Monelli anno 1935 in seiner Gastronomischen Reise durch Italien mokant die Vorzüge des Erzeugnisses.
Zeit für eine Pause im ligurischen Vorzeigedorf Vernazza. Der abschüssige Pfad schlängelt sich oberhalb des Tunnels der ligurischen Metro durch die Rebterrassen. Unter uns die Stimmen fröhlich am Strand spielender und im Hafenbecken planschender Kinder. Im Schatten der Bäume einige Bänke, dahinter die Piazza zwischen der Kirche am Wasser, pastellfarbenen Häusern, dem Castello Belforte und dem wehrhaft runden Turm auf dem Fels. Ein Idyll, beinahe nicht mehr von dieser Welt. Der Blick auf Vernazza gehört neben dem Postkartenmotiv Portofinos zu den meistfotografierten Urlaubsbildern des Mittelmeeres. Auch die Deutschen haben sich während der Besetzung der Appeninhalbinsel im Zweiten Weltkrieg auf ihre Weise um die Cinque Terre gekümmert: mit der Einebnung des Turms über Vernazza für eine Flak-Stellung.


Eine Focaccia, ein Weißbrot mit Kräutern - am besten: Oregano oder Thymian - und aromatischem Olivenöl, dazu ein Wasser. Im Schatten dösend beobachten wir den sprichwörtlich internationalen Trubel. Dass die Orte voller Urlauber sind, ist nicht so schlimm. Leute, die noch zu Fuß gehen, sind meistens angenehme Zeitgenossen. Das Geheimnis der heiteren Atmosphäre in den Cinque Terre ist, dass sie sich für den rast- und besinnungslosen automobilen Durchreisetourismus nicht eignen. Die unwegsame Steilküste und die engen, verwinkelten Gassen der Dörfer regelten das auf natürliche Weise. Das aberwitzige Projekt einer kühn in luftiger Höhe dem Hang mit Brücken und Tunnels abgerungenen Schnellstraße kam zum Glück auf halber Strecke zum Erliegen. Der Stolz der Weinbergbesitzer und das sagenhafte Phlegma der landestypischen Bürokratie erledigte es. So zuckeln allenfalls frühmorgens und spät am Abend kleine dreirädrige Lieferwagen zur Versorgung der Einheimischen, Pensionen, Restaurants und Geschäfte durch Vernazza.

Ansonsten gehört das Nest dem Fußvolk. Überall neugierige junge bis kaum gealterte Leute mit Rucksack und mancher, der sich aus guten Gründen für einige Tage in einem der zahllosen Fremdenzimmer einquartiert. Man lässt die Sonne aufgehen, ein kleines Colazione, greift endlich zum länger bereitgelegten Buch, geht zwischendurch über den flachen Sandstrand des Hafenbeckens baden, dreht eine kleine Runde um die Mole, hat Zeit für sich.

Es ist immer allerhand los in den Dörfern. Ein Geheimtipp ist die Gegend schließlich längst nicht mehr. Der Reiz der verschachtelten Ortschaften zu Füßen der teils felsig schroffen, meist herrlich grünen Steilküste hat sich herumgesprochen. Deshalb verlassen wir für heute die Via Lungomare. Der wassernahe Pfad ist bei Cinque Terre Pilgern aus der halben Welt einfach zu beliebt. Wer Ruhe sucht, muss ausweichen, bergauf gehen und schön tief durchatmen. Es wird steil.

Wir passieren den Bahnhof und folgen dem Pflaster durch's tief eingeschnittene Tal. Letzte Häuser, da und dort plätschert der Bach. Klitzekleine Gemüsegärten, über uns das saftige Grün der Weinberge, der weiße Wattebausch einer Schönwetterwolke im azurblauen Himmel. Kaum ein Lüftchen geht, es ist warm wie im Gewächshaus. Später kurven wir um gelb blühende Wolfsmilchbüsche, genießen die Kühle im Schatten wuchtiger Steineichen und Kastanien. Die Zikaden haben wieder Generalprobe und die Schmetterlinge machen Modenschau. Die aktuellen Farben der 70er sind angesagt: Rot und Orange.

Die Häuser von Riomaggiore quellen wie die Vernazzas aus dem engen Tal heraus. Wie Bienenwaben kleben die Behausungen Manarolas am Fels. Atemraubend steile Anstiege über grob geschichtete Treppen, Maultierpfade auf den Höhen. Ein Blick, der uns die Spucke nimmt: auf tiefgrüne Weinberge vor stumpfgrünen oder dunkel- bis hellblauen Wogen, dazwischen das pastellfarbene Gewürfel der Dörfer. Gelegentlich das Gleis eines Tenino, der Zahnradbahn zur Bewirtschaftung der Weinterrassen. Der Wald, die Reben und das Meer.

Wie ein Krähennest thront Corniglia auf einem Felsvorsprung. Unmerklich geht das matte Blau des Meeres in der Ferne in den hellen mittelmeerischen Dunst über. Es scheint, als stünden die rot- bis ockerfarbenen Häuser vor dem Nichts. Am späten Nachmittag erreichen wir die ruhigere Ortschaft unter den Cinque Terre. Ob es an den 365 Stufen liegt, die vom Bahnhof der ligurischen Metro hier hinauf führen, dass das Nest weniger überlaufen ist? Der Ausguck in 100 Metern Höhe bietet einen herrlichen Blick zurück zur Punta Mesco. In einer Pension findet sich sogar noch eine Bleibe. Keine Frage, das "Risotto alla Cecio" im Steintopf mit Meeresfrüchten und Kräutern haben wir uns verdient. Außerdem engagieren wir uns heute abend mal gründlich für den hiesigen Weinbau. Die Mondlaterne hängt still über dem nachtblauen Ligurischen Meer und irrlichtert silbrig über's Wasser. Was wollen wir mehr - außer noch einen Tropfen vielleicht, den für Kardinäle und reifere Damen?


Weitere Informationen - Service Cinque Terre (http://www.fr-aktuell.de/ressorts/freizeit_und_reise/reise/?cnt=178868&page=2)

Frankfurter Rundschau

Eliska
23.03.2003, 11:03
The Villages of Cinque Terre - Bildmaterial (http://www.angelfire.com/ri/EuroDelivery/cinque.html)

Eliska
30.03.2003, 10:04
Wo laufen Sie denn?

Endlich lacht wieder die Sonne über den Metropolen. Auch für Fitnessfans, die den Winterspeck erfolgreich im Studio bekämpft haben gilt: Nichts ist schöner aus Outdoor-Sport. Also raus aus den miefigen Fitnesstempeln der Großstadt und rauf auf die Joggingpfade. Damit Sie beim Kondition bolzen nicht allein bleiben, zeigen wir Ihnen die angesagtesten Frischluft-Spots für Dauerläufer. MAX hat die schönsten Jogging-Strecken in zehn europäischen Städten ausgewählt.


München - Isar-Auen
Die Hamburger laufen um die Alster, die Münchner entlang der Isar. Gut für Anfänger: Die Strecke ist durch Brücken ...mehr

Hamburg - Joggen um die Außenalster
Mit oder gegen den Uhrzeigersinn - das ist hier die Frage. Ganze Jogging-Philosophien drehen sich um die korrekte Route ...mehr

Frankfurt - Grüneburgpark
Der ehemalige Privatgarten der Rothschilds ist heute ein beliebter Ort zum Faulenzen oder Sport treiben. Abends ist ...mehr

Berlin - Tiergarten
Heute kann man sich's kaum vorstellen, aber der Tiergarten war lange Zeit Jagdrevier der Kurfürsten von Brandenburg. Im ...mehr

Wien - Der grüne Prater
Ende des 18. Jahrhunderts wurde das ehemalige kaiserliche Jagdgebiet in einen städtischen Erholungspark umgewandelt. ...mehr

Amsterdam - Vondelpark
Der Vondelpark ist der schönste und größte Park der Stadt. Er misst 49 Hektar und zählt beinah 20 Eingänge. Vor allem ...mehr

London - Hyde Park
Prinzessin Diana joggte hier oft. Ihre Stammrunde: immer um den Wohnsitz Kensington Palace. Am schönsten ist jedoch die ...mehr

Paris - Bois de Vincennes
Der beste Ort, um in Paris zu joggen. Oder um sich wieder so richtig Grün in den Blick zu holen und seine Lungen zu ...mehr

Madrid - Parque del Oeste
Ehemals auf einer Müllkippe entstanden, im Bürgerkrieg zerstört und heute eine der schönsten Parkanlagen der Stadt. ...mehr

Rom - Villa Doria Pamphili
Die Villa Doria Pamphili ist der größte Park Roms - und mit Sicherheit einer der schönsten. Die liebliche, hügelige ...mehr

http://max.msn.de/cityguide/specials/jogging