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Alt 23.11.2004, 10:14   #503
mfabian
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Ich hab' mir am Wochenende auch ein paar Gedanken zum Goldbullen gemacht und bin zum Schluss gekommen, dass wir derzeit am Beginn der Phase 2 stehen. Hier meine Überlegungen:



Wenn man die vergangenen Bullenmärkte im Gold zu Rate zieht, lässt sich eine Zyklik erkennen, die es erlaubt, den Goldbullen in grob drei Phasen einzuteilen.

Dabei ist es zunächst einmal wichtig zu definieren, welches die treibenden Kräfte sind, die den Wert des Goldes fallen oder sinken lassen.

Halten wir zunächst mal fest, dass Gold in seinem Wert weder fallen noch steigen kann. Gold ist in begrenzter Menge verfügbar - über und unter der Erde. Es lässt sich auch nur sehr schwer und aufwändig fördern und aus dem Fördermaterial isolieren. Es ist also nicht beliebig vermehrbar (= inflationierbar). Dies ist sicher der wichtigste Grund, weshalb Gold sich in den letzten 5000 Jahren als Zahlungsmittel etabliert hat. Ein weiterer Grund ist die unbeschränkte Haltbarkeit (ansonsten könnte man auch Weizen oder Reis als Zahlungsmittel verwenden).

Wichtig für ein allgemein akzeptiertes Zahlungsmittel ist also die begrenzte Verfügbarkeit und die Haltbarkeit. Deshalb wurden neben Gold auch Münzen aus Silber oder Kupfer als Zahlungsmittel verwendet. Teilweise auch Salz.

Im Gegensatz dazu lassen sich Wertpapiere beliebig vermehren (= drucken). Bei Aktien nennt man das Kapitalerhöhung. Da wird vielleicht die Anzahl der Aktien von 1 Mio auf 1.2 Mio erhöht und somit verringert sich der Anteil, den jeder Aktionär an der Firma hält um 20%. Der Aktienkurs wird entsprechend nachgeben

Bei Währungen sind es die Nationalbanken, die die Notenpresse schneller oder langsamer laufen lassen. Werden mehr Banknoten gedruckt als das Volksvermögen wächst, nennt man das Inflation Das Geld verliert an Wert.

Halten wir aber fest: Es ist nicht das Brot oder das Gold, das teurer geworden ist, nur das Geld hat an Wert verloren. Das Problem ist unsere Sichtweise, die den Wert aus Sicht des Papiergeldes definiert. Wir sagen: 1923 kostete ein Brot 1 Milliarde RM und war somit extrem teuer.

Pustekuchen: Man hätte jederzeit ein Brot gegen 6 Eier eintauschen können. Vor, während und nach der Inflation!

Auch wenn dies nur philosophische Bedeutung hat, ist zunächst festzuhalten: Der Wert des Goldes ändert sich nicht sondern nur der Wert der Währung mit der es bemessen wird. Gold ist der Fels in der Brandung, an dem sich der Wert einer Währung messen lassen muss. Das ist der Hauptgrund, weshalb alle Banken dieser Welt - besonders die Nationalbanken - Gold hassen, denn am Verhältnis der Währung zum Gold werden währungspolitische Fehler wie Inflationierung des Geldes oder Verschuldung gnadenlos sichtbar gemacht.

Somit ist der Goldpreis (im Sinn von Preis des Goldes aus Sicht einer Papierwährung) ein Barometer für das Vertrauen, das die Menschen in dieses Papier setzen.

Vorausgesetzt, das Vertrauen in die Papierwährung ist vorhanden, orientieren sich die Anleger an zwei Faktoren:

1. Wieviel Rendite erhalte ich?

2. Wieviel dieser Rendite wird mir von der Teuerung weggefressen.

Gold kennt weder Wertverfall noch Dividenden. In Zeiten steigender Wirtschaft, steigender Gewinne und Dividenden bei moderater Teuerung ist es nicht sinnvoll, in Gold zu investieren. Denn Gold bringt ja keine Zinsen.

Sobald jedoch die Teuerung höher ist als die Renditen (= Negative Realzinsen) wird Gold wieder attraktiv, denn es garantiert zumindest einen Werterhalt.

Der Goldpreis bildet somit den dritten von drei Zyklen:

* Der erste Zyklus ist jener der Inflation und Deflation. Hohe Inflation und Deflation begünstigen die Nachfrage nach Gold, bei niedriger Inflation wird Gold verschmäht, wenn die Wirtschaft höhere Renditen liefert als die Teuerung wergfrisst. Derzeit liegt die Teuerung bei etwa 4.5-5%, Tendenz steigend.

* Der zweite Zyklus entspricht der Rentabilität der Wirtschaft. Je besser die Wirtschaft läuft umso höher deren Renditen (im historischen Schnitt 4.5-6%) und desto geringer die Nachfrage nach Gold. In Rezessionen erlebt Gold deshalb oft einen Boom, weil sich mit Aktien dank schlechter Dividendenrenditen kaum noch Geld verdienen lässt. Derzeit liegen die Renditen in den USA bei etwa 2%.

* Der Goldzyklus hängt von beiden Zyklen ab. Es macht für sich alleine keinen Sinn, zu behaupten: "Die Dividendenrendite liegt bei 10%, also ist Gold unattraktiv." Falsch, denn wenn gleichzeitig die Teuerung bei 12% liegt, ergibt das eben doch negative Realzinsen von -2% und die sprechen für Gold. Andererseits mögen Aktienanlagen zu 3% Rendite interessant sein, wenn die Teuerung nur 1% beträgt.
Dieses Verhältnis von Renditen zu Teuerung hat das FED-Modell beschrieben.

Wenn - so wie jetzt - die Dividendenrenditen bei 2% liegen und die Teuerung bei 4.5 bis 5%, macht Aktiensparen keinen Spass mehr, weil die Teuerung die Dividenden wegfrisst. Die realen Renditen sind negativ und Gold wird als Werterhalt wieder attraktiv.


Auslöser für den Bullenmarkt im Gold war die Aktienblase im Jahr 2000, die das KGV auf 42 gehoben und entsprechend die Dividendenrenditen auf 1.6% gedrückt hat. Damit wurde Phase 1 des Goldbullen eingeläutet.


Phase 1
ist dadurch gekennzeichnet, dass eigentlich gar kein Bullenmarkt stattfindet. Da wir den Goldpreis durch die Dollar-Brille betrachten, erscheint es uns so, als sei Gold gestiegen. Pustekuchen: In CHF und EURO gerechnet ist Gold ziemlich konstant geblieben. Einzig der US-Dollar ist abgeschmiert (Grund: Schulden/Vertrauensverlust und Inflation der Geldmenge). Profitieren konnte man aber auch wenn man in Hartwährung rechnet, denn Goldminen und Warrants hebeln das Verhältnis Gold/Dollar.

Nach Richard Russel - einem alten, erfahrenen Börsianer - dauert diese "unechte" Bullen-Phase 2-5 Jahre und endet mit einer langen Korrektur.

Nun, wir hatten von April 2001 bis Anfang 2004 diesen ersten Bullenmarkt und ebenso die ausgedehnte Korrekturphase von Februar bis September 2004.

Damit sind wir nun bereit für Phase 2

Phase 2
Ist zeitlich die längste der drei Phasen. Sie wird ausgelöst durch einsetzende Inflation und ist dadurch geprägt, dass Gold nun nicht nur gegenüber dem Dollar steigt sondern auch gegenüber harten Währungen. Hier ist also nicht nur die Geldmengen-Inflation der Auslöser sondern die durch jene ausgelöste Teuerung.

Interessant wird der lange erwartete Durchbruch des Goldpreises von €350/oz!

Angetrieben durch die USA werden wir in den nächsten Jahren eine steigende Inflation sehen. Wer rein nur an der Börse aktiv ist, wird das gar nicht bemerken, denn die Aktienkurse werden stetig steigen oder zumindest stabil bleiben. Dumm nur, wenn er nicht erkennt, dass währenddessen die Teuerung seine Kursgewinne und Dividenden mehr als wegfrisst.

Wer an der Börse nicht aktiv ist und zu jener Gruppe von Menschen gehört, die Krankenkassenprämien zahlen müssen, wird bereits eher bemerken, dass die Teuerung höher ist als was uns die offiziellen Statistiken vorlügen.


Mit steigender Inflation wird in ein paar Jahren (ähnlich wie Mitte der 70er Jahre) die Teuerung wieder zum Thema der Medien mit BILDungsanspruch werden und die Börsianer werden lernen, ihre Aktien-Performance mit der Teuerung gegenzurechnen. Jene von uns, die über 40 sind und das Spiel in den 70er Jahren schon einmal bewusst erlebt haben, werden dies schneller erkennen als die jüngeren, für die das Thema Inflation Neuland ist.

Die Anleger werden dann das Problem bekommen, dass sie - egal ob sie in Aktien, Obligationen oder Sparbüchlein investieren - immer eine negative Rendite erhalten, weil die Teuerung alles wegfrisst.

Es wird dann wieder in der Fachpresse Artikel geben wie jener aus der Business-Week vom August 1979.

Ich darf mal zitieren:<br>

Der Tod der Aktien
„Die Massen haben sich bereits vor langer Zeit aus dem Aktienmarkt zurückgezogen. Sie sind in alternative Investments mit höherer Verzinsung und damit größerem Schutz vor Inflation eingestiegen. Jetzt haben auch Pensionsfunds die Erlaubnis erhalten, Aktien und Anleihen zugunsten von Immobilien, Futures, Gold und sogar Diamanten fallen zu lassen. Der Tod der Aktien sieht nach einem beinahe permanenten Zustand aus; irgendwann umkehrbar, aber nicht in der nahen Zukunft.“

„Bis jetzt war die Flucht der Institutionen aus den Finanzmärkten eher moderat. Aber es besteht die Gefahr, dass sie sich in einen reißenden Strom verwandelt, falls der diesjährige 60%ige Anstieg des Öl-Preises eine tiefe Rezession auslöst, während die Inflation gen Himmel schießt.“

„In der Tat haben die Aktienmärkte nach einer Untersuchung der Salomon Bros. seit 1968 einen enttäuschenden Return von 3,1% geliefert, der Consumer Price Index (CPI) ist dagegen um 6,5% gestiegen. Gold konnte um unglaubliche jährliche 19,4% zulegen, Diamanten um 11,8% und der Preis von Einfamilienhäusern um 9,6%.“


Als Randbemerkung möchte ich anfügen, dass drei Jahre später, 1982, der grösste und längste Bullenmarkt für Aktien der Geschichte einsetzte. Dazu am Schluss mehr.


Zurück zum Gold: Wenn die Investoren erkennen, dass sie mit Aktien und Anleihen keine real positive Performance mehr erreichen und von ihnen bisher unbemerkt Rohstoffe und Gold in den Himmel schiessen beginnt ...

Phase 3
... des Bullenmarktes im Gold und des Bärenmarktes der Aktien.

Es beginnt eine Blase im Gold, die immer mehr und mehr Anleger mit sich ziehen wird. Selbst jene Kleinstanleger, die noch nie in Börsendingen durchBLICKten werden nun ihre Fonds und Sparbüchlein auflösen, um in Gold oder Goldminen zu investieren. Natürlich gibt es zu wenig des seltenen Metalls und auch zu wenig Aktien und deshalb werden die Preise extrem in den Himmel schiessen. Wir werden dann bei Goldminen-Aktien eine ähnliche Euphorie und Blasenbildung erleben, wie seinerzeit 1998/99 bei den dotcom-Werten der Nasdaq.
Da gleichzeitig alle Anleger sich aus klassischen Aktien verabschieden, werden deren Kurse und KGV's ins bodenlose stürzen. Das Vertrauen in Papier jeglicher couleur wird verschwinden und alle in Gold und Silber rennen.

Vielleicht wird dann die Vision von Richard Russel wieder Realität, dass sich Goldpreis und Dow-Jones Index auf demselben Level, im verhältnis 1:1 treffen wie zuletzt 1979. Zum Beispiel: Goldpreis=$3000, Dow Jones=$3000 ?

Na ja, daran glaube ich nicht. Aber ein Verhältnis 1:4 dürfte durchaus realistisch sein. Z.B. DJ=6000 und Gold=1500 oder DJ 10000 und Gold $2500



Wie dem auch sei:
Phase 3 wird die wahrscheinlich kürzeste, auf alle Fälle aber heftigste Phase sein. Hier ist sehr viel Fingerspitzengefühl erforderlich, um sich von der Gold-Euphorie nicht anstecken zu lassen und den richtigen Ausstiegspunkt nicht zu verpassen. Irgendwann gegen Ende der Phase 3 wird auch der hinterste und letzte Kleinstanleger vermeintlich durchblicken und seine Aktienperlen gegen das ebenso "vermeintlich" sichere Gold tauschen. Dann wird es Zeit, langsam auszusteigen, mit Goldminen ein paar Tausend Prozent Gewinn mitzunehmen und Perlen wie eine Credit-Suisse oder Novartis für Fr. 15.- pro Aktie bei einem KGV von 6 reinzuziehen.

Dann, in vielleicht 10 Jahren, wird Gold in einer übertriebenen Blase kollabieren und Aktien werden für ein Butterbrot zu haben sein.

Ein neuer Bullenmarkt für Aktien wird ebenso beginnen wie ein Bärenmarkt für Gold. Aber bis es soweit ist, reiten wir den Goldbullen. Durch alle Höhen und Tiefen!

In diesem Zusammenhang wird vielleicht auch klar, weshalb ich so gelassen reagiere, wenn einzelne Titel wie GSS, CDE oder BGO mal 50% steigen oder fallen. Das ist alles nicht wichtig, wenn man das grosse Ziel vor Augen hat: Sie zwischen 2009 und 2013 mit 1000% Gewinn zu verkaufen sobald die Boulevard-Presse mit BILDung eine Kaufempfehlung für Gold auf der Titelseite hat.


Marcus
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