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Themen-Optionen
Alt 06.09.2003, 04:28   #1
mfabian
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Registrierungsdatum: Mar 2003
Beiträge: 3.691
Posting Optionen, Optionsscheine, Warrants

Bevor ihr hier anfangt zu lesen, rate ich Euch, schon mal die Kaffeemaschine anzuwerfen, denn das wird ein recht langes Posting.

Ich widme dieses Posting insbesondere den Neueinsteigern und werde mich dabei bemühen, die Komplexität von Optionsscheinen/Warrants in einfachen Worten rüberzubringen.


Um zunächst mit einem Vorurteil aufzuräumen: „Warrants“ und „Optionen“ sind nicht das gleiche. Optionen werden nur am CBOT (Chicago Board of Trade) gehandelt und unterliegen sehr strengen gesetzlichen Vorschriften. So muss sich beispielsweise der Emittent verpflichten, Optionen jederzeit zurückzukaufen, wenn kein Markt dafür existiert.

Für Warrants gilt diese Beschränkung theoretisch nicht. Allerdings ist es in 99.9999% der Fälle so, dass ein Warrant in der Praxis genau so gut vom Emittenten bedient wird wie die (strenger regulierte) Option. Ein Emittent könnte es sich schlicht und einfach nicht leisten, den Markt zu verärgern, indem er für einen Warrant keine Kurse stellt.

Der Begriff "Warrant" wird in den USA und der Schweiz verwendet. In Deutschland sind dieselben Papiere als "Optionsschein" bekannt. Ich werde nachfolgend den Begriff "Option" verwenden.


„Kurse stellen“ liefert das Stichwort, um mit einem zweiten Vorurteil aufzuräumen: Im Gegensatz zu Aktienpreisen werden die Preise von Optionen nicht durch Angebot und Nachfrage bestimmt sondern (wie wir noch sehen werden) mathematisch exakt und nachvollziehbar berechnet. Der Emittent wird diese Berechnung in engem Rhythmus (z.B. pro Minute) durchführen und entsprechend Bid/Ask Kurse „stellen“ zu denen man jederzeit kaufen bzw. verkaufen kann. Sollte sich kein (Ver-)käufer finden, so springt die Bank ein und stellt so die Liquidität sicher.

Fazit: Die Unterschiede zwischen Optionen und Warrants sind rein akademischer Natur. In der Praxis kann man sie gleichstellen.

Doch der Reihe nach: Wie ist es überhaupt möglich, dass eine Call-Option auf UBS um 5% steigt, während die UBS-Aktie selbst nur um 1% steigt?

Nehmen wir hierzu folgendes Beispiel:

Angenommen, ich biete Dir einen Gutschein an, mit dem Du einen McDonalds Hamburger für € 2.- kaufen kannst. Nehmen wir weiterhin an, dass ein Hamburger bei McDonalds € 2.50 kostet.

Was ist der Gutschein wert? Richtig: 50 cent.

Was passiert nun, wenn McDonalds seine Hamburger-Preise von € 2.50 auf € 3.00 erhöht? Der Gutschein ist € 1.0 wert. (€ 2.- für den Hamburger und € 1.- für den Gutschein = € 3.-)

Rechnen wir mal nach: McDonalds hat den Preis von 2.50 auf 3.0 erhöht. Also eine Steigerung um 20%.
Der Gutschein (und ab jetzt ersetze ich „Gutschein“ durch „Option“) ist von € 0.50 auf € 1.- gestiegen. Hat sich also verdoppelt, was einer Steigerung um 100% entspricht.

Merke: Im Fall der McDonald Hamburger-Option gilt eine Leverage (ein Hebel) von 5. Die Option steigt also um einen Faktor 5 gegenüber der Aktie (Pardon: dem Hamburger).

Steigt der Hamburger um 12% (von 2.50 auf 2.80) so steigt die Option um 60% (12% * 5 = 60%) also von 0.50 auf 0.80.
Stimmt. Denn auch hier geht die Rechnung auf: € 2.- für den Hamburger unter Vorlage der Option + € 0.80 = für die Option entspricht dem Preis des Hamburgers von € 2.80.

Um zum Abschluss noch ein Gegenbeispiel zu nennen: Wenn McDonalds den Hamburgerpreis auf € 2.- oder darunter senkt, wird die Option wertlos. Was macht es denn schon für einen Sinn, Geld für einen Gutschein auszugeben, mit dem ich den Hamburger für € 2.- kriege, wenn ich den Hamburger für denselben Preis direkt im McDonalds kaufen kann?

Aus diesem Beispiel können wir folgende Begriffe lernen, die in Zusammenhang mit Optionen immer genannt werden:

(Begriffe immer englisch/deutsch)

strike/Ausübungspreis:
Für diesen Betrag kann man die Option einlösen. In unserem Beispiel also € 2.-, die nach Abgabe der Option noch zu bezahlen wären.

In the money/ im Geld:
… ist eine Option, wenn ihr aktueller Kurs (der Preis des Hamburgers heute) grösser ist als der Ausübungspreis. Die Option erlaubt es, einen Hamburger für € 2.0 zu kaufen, der aktuelle Preis liegt aber darüber (z.B. bei 2.50). Also ist die Option im Geld.

Underlying / ???:
Das Wertpapier, die Aktie. In unserem Fall der Hamburger.

Leverage / Hebel:
Das Verhältnis in dem die Option sich gegenüber dem underlying verändert. In unserem Fall = 5.


Ratio/Bezugsverhältnis:
In unserem Beispiel sind wir davon ausgegangen, dass wir für einen Gutschein einen Hamburger kriegen. Das entspräche einem Bezugsverhältnis von 1:1. In der Börsenwelt gelten aber in der Regel andere Bezugsverhältnisse. Ein Bezugsverhältnis von 1:25 beispielsweise (meist nur als Ratio=25 angegeben) bedeutet, dass man für 25 Optionen die Aktie für den Ausübungspreis bekommt.

Rechnen wir mal:
Die Option auf ACME.com hat ein Ratio von 1:50, und kostet € 0.15 und der Ausübungspreis liegt bei € 50.-
Frage: Wie hoch muss die Aktie ACME.com steigen, damit sich die Investition rechnet?

Nun, um eine ACME.com zu kaufen müssen wir € 50.- hinblättern sowie 50 Optionen à 0.15.
Also: 50 + (50 * 0.15) = 50 + 7.50 = € 57.50.



Es gibt zwei Arten von Optionen. Europäische und Amerikanische. Dabei geht es nicht um das Land, auf das sich die Aktien beziehen. Es ist vielmehr die Frage, wann die Option ausgeübt werden kann:

Angenommen, unser Hamburger-Gutschein ist bis 30. Juni 2006 gültig, dann gilt:

Europäisch: Ich kann die Option nur am 30. Juni 2006 gegen einen Hamburger einlösen.
Amerikanisch: Ich kann die Option jederzeit bis spätestens 30. Juni 2006 einlösen.

Folgende Gretchenfrage wurde in einem Forum mal gestellt: Kann ich auch eine Option einlösen, wenn sie nicht im Geld ist?
Die Antwort lautet: „Selbstverständlich. Wenn man blöd genug ist“.

Man stelle sich die folgende Situation mal plastisch vor:
Zum Spekulations-Top der Hamburger-Blase hat ein Spekulant eine Hamburger Option mit strike € 2.- für 30 cent erworben. Mittlerweile ist der Hamburger-Preis auf € 1.50 gesunken. Nun geht er zu Mc Donalds, um die Option einzulösen:

Spekulant: Guten Tag, ich hätte gerne einen Mac.

McDonalds: Ok, macht € 1.50

Spekulant: Fein, aber ich habe hier einen Gutschein, mit dem ich einen Mac für € 2.0 bekomme. Kann ich den einlösen?

McDonalds: Aber sicher doch. Sich können statt dem regulären Preis von € 1.50 auch den Gutschein einlösen und € 2.0 bezahlen.

Also nochmals:

Wenn der Ausübungspreis einer Option kleiner oder gleich dem aktuellen Kurs des zugrunde liegenden Wertpapiers ist, dann ist der innere Wert der Option gleich Null!


Implizite Volatilität und Laufzeit
(Anm. Zur Impliziten Volatilität findet ihr hier noch weitere Erklärungen: http://www.stock-channel.net/stock-...&threadid=10581)

Bedeutet das nun wirklich, dass der Options-Preis gleich Null sein muss, wenn sie keinen Inneren Wert hat?

Nein, nicht unbedingt. Wenn sich der Preis eines Macs jeden Tag ändert und im Bereich von € 1.- bis € 4.- schwankt und die Option noch für ein Jahr gültig ist, dann besteht eine realistische Chance, dass der Mac wieder steigt und demnach die Option wieder „ins Geld“ kommt.
Als Spekulant würde ich für eine Mac-Option auch dann noch Geld bezahlen, wenn der Mac derzeit nur 1.80 kostet aber die Option noch ein halbes Jahr läuft.

Nur: Wieviel wäre mir die Option überhaupt wert?

Um diese Frage zu beantworten, stelle ich mir zwei Fragen:

1.) Wie hoch sind die Schwankungen im Preis eines Mac? Wenn Mc Donalds die Preise nur alle drei Monate um plus/minus 10% anpasst, ist mir die Chance zu gering. In diesem Fall werde ich sehr wenig für die Option bezahlen (6 cent, um Genau zu sein). Wenn aber der Preis regelmässig um 50% schwankt, bin ich bereit mehr (28 cent) für die Option zu zahlen. Das Mass für die Schwankung wird "Implizite Volatilität" genannt.

2.) Wie lange ist die Option noch gültig (Restlaufzeit in Tagen)? Wenn die Option morgen ausläuft, kann die Implizite Volatilität so hoch sein wie sie will, ich werde kaum mehr das Risiko eingehen, dass der Mac morgen um über 10% steigt. Andererseits: Wenn die Option noch 10 Jahre lang läuft, stehen die Chancen auch dann noch gut „ins Geld“ zu kommen, wenn der Preis nur sehr gering schwankt.

Diese Kombination aus Restlaufzeit und Schwankungsbreite wird als „Zeitwert“ der Option bezeichnet. Eine Option, die aus dem Geld ist, hat nur den Zeitwert. Ist die Option im Geld setzt sich ihr Wert aus Zeitwert und innerem Wert zusammen.

Um ein Gefühl für den Zeitwert zu kriegen, hier ein paar Tabellen, welchen Wert unsere Hamburger-Option hätte bei …

10% implizite Volatilität
50% implizite Volatilität
1 Monat Laufzeit
12 Monaten Laufzeit.

Dabei lassen wir den Preis des Hamburgers für alle Werte zwischen € 1.50 und € 3.0 laufen:



Vola 10%, Laufzeit 30 Tage
Preis Mac Wert der Option
1.5 0.0000
1.6 0.0000
1.7 0.0000
1.8 0.0000
1.9 0.0007
2 0.0225
2.1 0.1010
2.2 0.2000
2.3 0.3000
2.4 0.4000
2.5 0.5000
2.6 0.6000
2.7 0.7000
2.8 0.8000
2.9 0.9000
3 1.0000

Vola 10%, Laufzeit 365 Tage

Preis Mac Option
1.5 0.0001
1.6 0.0008
1.7 0.0040
1.8 0.0142
1.9 0.0377
2 0.0796
2.1 0.1412
2.2 0.2190
2.3 0.3079
2.4 0.4029
2.5 0.5010
2.6 0.6003
2.7 0.7001
2.8 0.8000
2.9 0.9000
3 1.0000


Vola 50%, Laufzeit 30 Tage

Preis Mac Option
1.5 0.0019
1.6 0.0061
1.7 0.0160
1.8 0.0352
1.9 0.0667
2 0.1124
2.1 0.1720
2.2 0.2439
2.3 0.3255
2.4 0.4142
2.5 0.5076
2.6 0.6039
2.7 0.7019
2.8 0.8009
2.9 0.9004
3 1.0002

Vola 50%, Laufzeit 365 Tage

Preis Mac Option
1.5 0.1491
1.6 0.1888
1.7 0.2334
1.8 0.2827
1.9 0.3364
2 0.3943
2.1 0.4560
2.2 0.5214
2.3 0.5900
2.4 0.6616
2.5 0.7360
2.6 0.8129
2.7 0.8921
2.8 0.9734
2.9 1.0565
3 1.1413


Betrachten wir die Tabellen etwas genauer:

Wir haben verinnerlicht, was der innere Wert ist. Der innere Wert steigt erst, wenn der Preis unseres Mac über € 2.- zu liegen kommt. Darunter zählt nur der Zeitwert, der von der Impliziten Volatilität und der Restlaufzeit abhängig ist.

Interessant sind immer die Werte um den Ausübungspreis:

Hier ein Auszug aus 10% Vola und 30 Tage Laufzeit:

1.8 0.0000
1.9 0.0007
2 0.0225
2.1 0.1010

Wir sehen hier, dass die Option unterhalb des Ausübungspreises von € 2.- kaum einen Wert hat. Erst mit Erreichen dieser Schwelle wird er interessant. Während die Option auf Preisänderungen unterhalb von 1.90 kaum messbare Veränderungen zeigt, steigt sie bei einem Anstieg auf 2.0 immerhin auf 2 cent. Von 2.0 auf 2.1 verfünffacht sich der Wert der Option sogar!

Danach ist sie im Geld und die Steigerung verflacht:
2.1 0.4560
2.2 0.5214
2.3 0.5900
2.4 0.6616

Wir sehen also (und das ist sehr wichtig zu wissen).

Die besten Gewinne wirft eine Option dann ab, wenn man sie knapp „aus dem Geld“ kauft und sie den Sprung „ins Geld“ schafft.


Wenn wir die Tabellen untereinander vergleichen, stellen wir fest, dass die Volatilität einen grösseren Einfluss hat als der Zeitwert.
Vola 10%, 365 Tage:
1.9 0.0377

Vola 50%, 365 Tage:
1.9 0.3364

Immerhin ein Faktor 10 Unterschied! Grund genug, die Implizite Volatilität etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.

Die Volatilität – das wissen wir bereits – ist ein Mass für die Schwankungen einer Aktie.

Wir können mathematisch berechnen, wie stark die Aktie in der Vergangenheit geschwankt hat. „Historische Volatilität“. Woher aber wissen wir, wie stark sich die Aktie in den nächsten Wochen und Monaten verändern wird?
Antwort: Wir wissen es nicht.

Die Implizite (= angenommene) Volatilität ist einer jener Parameter, die der Emittent täglich, stündlich ja sogar minütlich verändern kann. Und das tut er auch! Ganz zum Leidwesen von uns Tradern; denn eine Änderung der Impliziten Volatilität kann verheerende Auswirkungen haben, wie das folgende Beispiel verdeutlicht.

(Kurs des Mac 1.90)
Impl. Vola/Option
10% 0.0377
20% 0.1102
30% 0.1856
40% 0.2612
50% 0.3364

Hier gebe ich den Preis der Option in Abhängigkeit der Impliziten Volatilität aus. Wir sehen: Verändert sich die Implizite Volatilität von 20% auf 30%, steigt die Option von 11 auf 18.5 cent um über 60%. Und dies, obschon sich am Preis des Underlying (des Hamburgers, der Aktie) rein gar nichts verändert hat.

Vielleicht ist die Aktie gestiegen und dennoch ist der Wert Deiner Option gesunken. Unverständlich? Nun, beachte mal die Veränderung der Impliziten Volatilität!

Merke: Kaufe grundsätzlich keine Optionen bei denen die Implizite Volatilität über der historischen liegt.


Doch selbst wenn man Optionen bereits gekauft hat, muss man sich bewusst sein, dass sich die Implizite Volatilität täglich verändert. Als Grundregel gilt:

Bei steigenden Kursen sinkt die Implizite Volatilität,
Bei sinkenden Kursen steigt die Implizite Volatilität.

Dies lässt sich psychologisch dadurch erklären, dass Abstürze (= Angst und Panik) schneller vonstatten gehen als Haussen (= langsam wachsende Gier). Deshalb sind auch die Volatilitäten im Abwärtstrend höher als im Aufwärtstrend.
Das kann zu der Endtäuschung führen, dass bei Call-Optionen auf ein steigendes Wertpapier der Options-Preis sinkt oder andererseits, dass die Call-Option steigt, obschon die Aktie gesunken ist. Eben, weil Anstieg und Implizite Volatilität gegenläufig sind.

Aus diesem Grund sollten Call-Optionen im oder nahe „am Geld“ gekauft werden. Je tiefer nämlich eine Option im Geld ist, umso weniger spielt der Zeitwert und somit die Implizite Volatilität eine Rolle. Massgebend ist dann nur noch der Innere Wert und der Call steigt, wie man es erwartet.

Bei Puts ist die Situation natürlich genau umgekehrt. Ein sinkender Kurs treibt nicht nur die Put-Option nach oben sondern die gestiegene Implizite Volatilität sorgt noch für einen zusätzlichen Push nach oben. Mit Put-Optionen lässt sich deshalb viel schneller viel mehr Geld verdienen als mit Calls.


Konstanten und Variablen
Für die Berechnung des Wertes einer Option sind die nachfolgenden Parameter verantwortlich. Einige davon (die Konstanten) bleiben während der Laufzeit unverändert.

Konstanten sind:

• Ausübungspreis
• Verfalldatum
• Bezugsverhältnis

Variable Faktoren sind:

• Kurs des Basiswertes
• Restlaufzeit in Tagen
• Implizite Volatilität

Der Kurs des Basiswertes wird von der Börse bestimmt, die Restlaufzeit nimmt linear ab und die Implizite Volatilität bestimmt der Emittent.

Die Berechnung von Options-Preisen ist höchst komplex und würde diese Abhandlung sprengen. Wichtig zu wissen ist, dass Options-Preise mathematisch berechnet werden. Die Preise werden gestellt und deshalb gilt:

Options-Preise unterstehen nicht Angebot und Nachfrage!


Greeks

Kommen wir zum nächsten Punkt, den Kennzahlen, die sich aus den Konstanten und Variablen berechnen lassen. Diese Kennzahlen werden mit griechischen Buchstaben Delta, Omega, Theta und Vega abgekürzt.

Der wichtigste, den ein Einsteiger kennen muss (und auf den werde ich mich beschränken) ist das Delta.
Das Delta ist – einfach ausgedrückt – die Wahrscheinlichkeit, dass eine Option „ins Geld“ kommt. Dabei bedeutet ein Delta von 0.50 eine Chance von 50%. Bei Puts wird das Delta negativ, wäre also -0.5 für eine 50% Chance, -0.3 für 30% Chance etc.

Beispiele: Wenn der Ausübungspreis der Hamburger-Option bei € 2.0 liegt und der Hamburger genau € 2.0 kostet, dann liegt das Delta bei exakt 0.5. Ist ja auch logisch, denn ab jetzt ist die Chance exakt fifty-fifty, ob der Preis nach oben oder unten sinkt.

Wenn der Hamburger nur 1.90 kostet, wird das Delta ja nach Laufzeit vielleicht bei 0.45 liegen. (Ich hab’s nicht ausgerechnet).

Extrembeispiel: Kostet der Hamburger bereits € 3.- und die Laufzeit der Option beträgt nur noch 2 Tage, so ist die Chance bei praktisch 100%, dass der Hamburger auch übermorgen noch über € 2.- kosten wird. Das Delta wird also bei fast 1.0 liegen.

Was sagt uns nun das Delta?

Weiter oben habe ich erwähnt, dass Optionen dann am besten rentieren, wenn sie den Sprung von „aus“ nach „im“ Geld schaffen. In unserem Fall also, wenn der Hamburger-Preis von 1.95 auf 2.05 steigt oder wenn das Delta von 0.49 auf 0.51 steigt.

Das Delta sollte man bei der Auswahl von Optionen berücksichtigen. Und damit kämen wir zum letzten Punkt ….

Auswahl von Optionen

Grundsätzlich gilt bei der Auswahl von Optionen dasselbe wie für die Auswahl von Aktien. Ich werde einen Call auf Daimler nur dann kaufen, wenn ich davon überzeugt bin, dass Daimler steigen wird.
Doch das alleine genügt noch nicht. Ich muss nämlich nicht nur eine Idee davon haben, dass diese Aktie steigen/bzw. sinken wird sondern auch noch

• Um wie viel und
• In welchem Zeitraum

Auf die Suche nach der geeigneten Option darf ich mich also erst machen, wenn ich etwa folgende Aussage formulieren kann:
„Ich erwarte, dass _______ (Aktie Index) in den nächsten ________ (Tagen) auf den Wert _______ steigt oder sinkt“.

Mit diesem Rüstzeug kann man auf den entsprechenden Options-Foren sehr einfach und schnell die geeigneten Optionen ausfindig machen.

In der Schweiz ist das www.warrants.ch.
www.warrants.ch bietet eine „erweiterte Suche“, die ich sehe empfehlen kann. Dort kann man nämlich die Anzahl der Suchergebnisse eingrenzen indem man entsprechend intelligente Filterkriterien setzt.

(Links für eine ähnliche Site für Deutschland erbeten!)


Es sind dies:

1. Volumen
Selbst wer alle anderen Regeln missachtet, kann sich am Volumen orientieren. Die meisten Optionen werden von Profis gehandelt. Wenn eine Option ein Volumen von Null hat, kann man mit 95%iger Sicherheit davon ausgehen, dass mit der Option irgendetwas nicht in Ordnung ist.

2. Delta
Das Delta sollte im Bereich kurz unter 0.5 liegen. Ideal 0.45-0.49, gröber gefasst zwischen 0.30 – 0.60

3. Leverage
Die Leverage ist die Hebelwirkung. Bei einer Leverage von 7.5 steigt die Option um 7.5%, wenn die Aktie um 1% steigt. Vernünftig ist eine Leverage von mindestens 4. Darunter machen Optionen kaum Sinn, da wäre bereits zu überlegen statt einer Call-Option gleich die Aktie zu kaufen.

4. Implizite Volatilität
Die sollte wie erwähnt unterhalb der historischen liegen.

5. Laufzeit
Sollte etwa eineinhalb mal so lang sein wie der eigene Erwartungshorizont. Wenn ich also erwarte, dass eine Aktie sich innert 6 Monaten auf das von mir anvisierte Niveau bewegt, sollte die Laufzeit der Option 9 Monate betragen.

Des Weiteren gibt es noch einige Fallstricke, die man beachten muss. Denn auch die (nach obigen Kriterien) beste Option kann zum Frust werden, wenn man diese Nuancen nicht beachtet:

Der Emittent spielt eine grosse Rolle. Manche Emittenten stellen Options-Preise automatisch und im Minuten-Takt. Bei diesen Emittenten kann man sich darauf verlassen, dass die Options-Preise immer der Realität entsprechen und fair sind.

Da wird oft unberechenbar mit der Impliziten Vola gespielt mit dem Ergebnis, dass Stop-Losses ausgelöst werden. Beispiel: Die Option hat einen fairen Wert von 1.0. Nun senkt der Emittent kurzer Hand die Implizite Vola massiv und die Option sackt ab auf 0.80. Somit kann er alle Optionen billig einkassieren, bei denen die Kunden ein Stop-Loss zwischen 0.80 und 1.0 gesetzt haben. Danach wird die Implizite Vola wieder heraufgesetzt.

Dass solche Manipulationen in böswilliger Absicht passieren, will ich hier nicht behaupten. Aber so was ist mir schon passiert und ob böswillig oder nicht. Der Verlust und Frust ist in beiden Fällen derselbe.

Deshalb sollte man grundsätzlich aufpassen: Gegen Börsenschluss bzw. kurz nach Börsenöffnung wird der Optionen-Handel blockiert indem unsinnige Bid/Ask Kurse gesetzt werden. Beispielsweise ist bei einem fairen Wert von € 1.0 ein Bid/Ask von 0.99/1.0 der Normalfall. Wenn aber der Emittent den Handel aussetzen will, setzt er einfach einen grossen spread von Bid/Ask 0.80/1.20. Also Kurse, die so idiotisch vom fairen Wert abweichen, dass kein vernünftiger Mensch bewusst kaufen oder verkaufen würde.

Doch auch hier können Kunden mit Stop-Losses zum Opfer werden.

Besonders problematisch sind Optionen auf US-Aktien oder Indizes. Da die Kurse der Option von den Öffnungszeiten in den USA abhängen, werden Kurse von manchen Emittenten frühestens nach 15:30 Uhr gestellt (oft auch erst ab 16:00 Uhr). Andere Emittenten hingegen berechnen auch am Vormittag die Kurse für ihre Optionen - einfach auf Basis des Futures.

Index-Optionen
Da ich mich persönlich mit einzelnen Firmen nicht so gut auskenne bzw. nicht die Zeit habe, die Nachrichten einzelnen Firmen zu verfolgen, trade ich meist mit Index-Optionen. Also Optionen auf DAX, Dow Jones, NASDAQ etc.

Früher habe ich in erster Linie SMI gehandelt, danach habe ich mich in NASDAQ-Optionen versucht aber schlussendlich habe ich mich für DAX entschieden.

Hier meine Gründe:

1. Volatilität: Je höher die Schwankungen eines Index, desto besser ist die Performance einer Option.
Positiv: DAX, NASDAQ
Negativ: SMI, DJ

2. Öffnungszeiten: Je näher der Index während der Öffnungszeiten der SWX gehandelt wird (ich bin Schweizer, für die, die's noch nicht gemerkt haben ) umso bessere Chancen habe ich, Intraday den geeigneten Zeitpunkt für Käufe/Verkäufe zu finden.
Positiv: SMI, DAX
Negativ: DJ, NASDAQ

3. Währungsrisiko:
Bei Call-Optionen: Steigt die Börse, steigt der Dollar. Bei Calls auf US-Papiere erziele ich also nicht nur den Gewinn aus der Option sondern partizipiere zugleich noch am gestiegenen Dollar.
Positiv: NASDAQ, DJ
Negativ: keiner
Bei Put-Optionen gilt entsprechend das umgekehrte. Hier will ich das Dollar-Risiko vermeiden, setze also sicher nicht auf US-Papiere.
Positiv: keiner
Negativ: NASDAQ, DJ

4. Verfügbarkeit: Je mehr Optionen ich (in der Schweiz) zur Auswahl habe umso eher finde ich den geeigneten. DAX ist sehr gut vertreten, SMI natürlich ausgezeichnet, bei dem Amis happerts aber gewaltig. Man findet kaum sinnvolle Optionen auf NASDAQ oder DJ und wenn schon, dann von Emittenten, die ich lieber vermeide.


Die Kombination von Volatilität, Öffnungszeit und Verfügbarkeit gepaart mit einem stabilen € gegenüber dem Franken, haben Optionen auf den DAX zu meinen Favoriten gemacht.


So, das wär’s. Ich wünsche allen viel Erfolg und eine glückliche Hand im Umgang mit Optionen.


Marcus Fabian
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Alt 07.09.2003, 22:57   #2
Buddhi
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Posting Option kurz vor Verfall

Hallo Marcus

Zunächst einmal vielen Dank für Deine aufschlussreichen Postings auch hier bei SCN!

Hier der Hintergrund zu meiner anschliessenden allgemeinen Frage: Ich habe mir vor einigen Wochen ein paar Gold-Call-Optionen zugelegt (konkret: XAUUA) (auch auf Deinen Tip hin!). Meine Depotbank hat mir nun ein "Informationsschreiben" zugesandt, nach welchem ich auswählen und der Bank mitteilen muss, wie ich mit den Optionen verfahren will. Falls ich bis zum 10. September (fünf Tage vor letzten Handelstag) nichts von mir hören lasse, werde sie (die Depotbank) meine Optionsscheine bestens verkaufen (wohl am 11. September!) und den Erlös meinem Konto gutschreiben. Natürlich werde ich der Depotbank zurückschreiben und sagen, dass sie nichts unternehmen soll, um so alles selber kontrollieren zu können.

Nun meine Fragen:
1. Ist ein solches Schreiben der Depotbank bei Optionen üblich?
2. Muss man bei einer Option eine Woche vor Verfall besonders aufmerksam sein und wenn ja wieso?
3. Was gibt es bei einer Option kurz vor Verfall und am letzten Handelstag zu beachten?

Gruss
Buddhi
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Alt 08.09.2003, 00:40   #3
mfabian
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Posting Re: Option kurz vor Verfall

Zunächst: Du hast den Warrant XAUUA wahrscheinlich in erster Linie gekauft, weil Du ihn als Spekulationsobjekt betrachtest. Du möchtest ihn also irgendwann vor Verfall teurer verkaufen als Du ihn gekauft hast.

Aber im Prinzip ist XAUUA nichts anderes als Eine Option, die Dir erlaubt, eine Unze Gold am 15.9.03 für US$360 zu kaufen für jeweils 50 XAUUA.

Zitat:
"1. Ist ein solches Schreiben der Depotbank bei Optionen üblich?"


Ja, ist es. Die Bank will von Dir wissen, ob Du die Option ausüben willst also physisches Gold oder aber ob Du den Warrant verkaufen willst.


Zitat:
2. Muss man bei einer Option eine Woche vor Verfall besonders aufmerksam sein und wenn ja wieso?


Im Prinzip nein. Es ist allerdings so, dass meist sehr viele Optionen (nicht nur Gold-Calls) sondern auch andere Optionen an einem bestimmten Tag (z.B. der letzte Freitag im Monat) verfallen. Das heisst, dass je nach Anzahl ausstehender Optionen und dem Kursverlauf der letzten Wochen und Monate auf die Emittenten sehr hohe Beträge zukommen. Das kann die Emittenten=Banken dazu bewegen, die Kurse dahingehend zu manipulieren, dass sie mit den Optionen möglichst billig wegkommen.

Um das an einem übertriebenen Beispiel zu doukumentieren: Deine Option verfällt am 15.9.03 und bezieht sich auf Gold mit strike $360. Wenn am 15.9. der Gold-Kurs bei $370 steht, hat Deine Option bei einem Ratio von 50 einen Wert von 0.20$. (==> Für 50 Optionen kriegst Du Gold für $360 statt $370, sparst also $10. Somit $10 / 50 = $0.20 pro Option).
Wenn die Bank 10 Millionen Optionen ausstehend hat, kostet sie das $2 Millionen.
Wenn man nun 100 Banken zusammennimmt, bei denen jede $2 Mio zu zahlen hat, kommt schon ein erkleckliches Sümmchen zustande. Deshalb könnten sich die Banken nun zusammentun, um am 15.9. soviel Gold zu verkaufen bzw. Short-Kontrakte, dass der Goldpreis auf $360 sinkt. Damit würde Deine Option wertlos verfallen und die Banken wären fein raus. Ab 16.9. darf dann der Goldpreis wieder steigen.


Zitat:
3. Was gibt es bei einer Option kurz vor Verfall und am letzten Handelstag zu beachten?


Der Zeitwert der Option nimmt in der letzten Woche rapide ab. Wenn die Option im Geld ist und Du die Option nicht ausüben (also kein physisches Gold kaufen möchtest), dann verkaufe die Option spätestens einen Tag vor Verfalldatum.


Marcus
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Alt 13.09.2003, 00:00   #4
Buddhi
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Posting

Hallo Marcus

Besten Dank für Deine präzisen Antworten. Ich habe heute meine Goldoptionen mit 150% Gewinn verkauft. Ich habe meinen erfahrenen Banker gefragt, was am Montag (Verfalltag) passiert, wenn ich nichts unternehme. Er konnte mir keine Antwort geben ...

Buddhi
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Alt 13.09.2003, 01:29   #5
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Zitat:
Original geschrieben von Buddhi
Ich habe mir vor einigen Wochen ein paar Gold-Call-Optionen zugelegt (konkret: XAUUA) (auch auf Deinen Tip hin!).
...
Ich habe heute meine Goldoptionen mit 150% Gewinn verkauft.


@Buddhi,

Also wenn ich das richtig sehe, dann hast Du dank meines Tips 150% kassiert?

Fein, dann schick' mir mal ein PM mit Deiner Adresse und Tel-Nummer, denn wenn ich mal in Deiner Nähe bin, schuldest Du mir ein Bier





Marcus
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Alt 24.12.2007, 21:12   #6
Revinco
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Vielen dank für Deine ausführliche Erklärung, ich wollte eigentlich schon länger wissen wie es funktioniert, aber die Materie war mir immer zu trocken um es bis zum Schluss zu lesen oder zu kompliziert geschrieben. Eine Frage habe ich diesbezüglich noch, weiss jedoch nicht ob es Themenrelevant ist:

Es gibt ja verschiedene Arten von Puts bzw. Optionen, wie z.B. Knockout. Könnte mir bitte jemand diese detaillierter erklären und erwähnen worauf man achten muss (ausser dass der Strike nicht berührt werden darf natürlich)? Und Optionen muss man ja nicht bis zum Verfall mit fixem Laufzeit behalten, aber wann sollte man lieber mit Gewinn verkaufen anstatt dem Strike abzuwarten?

Geändert von Revinco (24.03.2008 um 14:43 Uhr).
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Alt 10.05.2008, 13:26   #7
Sepp
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Eine Frage: wie berechnet man die implizierte Volatilität? Ich komm einfach nicht drauf...


Gruss

Sepp
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Alt 08.09.2014, 20:30   #8
donald
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Beiträge: 1
Standard Frage zum Artikel

Hallo Marcus
Ich habe da eine Frage an Dich, Du schreibst im Bericht unter Auswahl von Optionen dass die implizite Volatilität unterhalb der historischen liegen soll.


Ich habe mich mit dieser Information bei Swissquote gemeldet.
Resultat:
Swissquote gibt auf Ihrer Plattform nur die die implizite Volatilität an, von einer historischen wusste der Berater nichts.
Kannst Du mir vielleicht weiterhelfen.
Besten Dank

Liebe Grüsse Stefan











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